Der Integrationsball

von Admin (Kommentare: 0)

Klein, ultraleicht aber von großer Ausstrahlung und Bedeutung. Er wirkt völkerverbindend, überwindet spielend alle Sprachbarrieren und hat wie alle Spielbälle, einen hohen Aufforderungscharakter. In unserem Fall ist der kleine Tischtennisball gemeint.

Die ersten Trainingseinheiten liefen fast ausschließlich über Gesten ab! Der Ball gab Takt und Richtung vor. Als unsere syrischen Gäste, wie wir die Flüchtlinge und Asylsuchenden in unserem Verein, dem Preetzer TSV, nennen – zwischenzeitlich unsere Mannschaftskollegen – ihre ersten Trainingseinheiten in der Sporthalle, ihre ersten Sportbegegnungen mit uns gerade hinter sich hatten, hätte wohl keiner von uns Spielern vermutet, nur drei Monate später mit ihnen gemeinsam in einer Tischtennismannschaft zu spielen. Mittlerweile ist es sportliche Normalität für uns geworden, sowohl gemeinsam zu trainieren als auch in Punktspielen zusammen auf Punktejagd zu gehen für unsere Gegner allerdings oft nicht.
Bei jedem Spiel entwickeln sich sehr schnell Gespräche, stehen neugierige Fragen nach dem bisherigen Weg unserer neuen syrischen Mannschaftskollegen im Mittelpunkt. Dieser willkommene Austausch über das Sportliche hinaus ist stets eine Herausforderung für unseren „Manager“ Mohamad Abd Raboh, der bereits sehr gut deutsch spricht, übersetzt und erklärt. Es wird viel gelacht, immer herrscht eine aufgeschlossene und herzliche Atmosphäre. Gleichwohl ist unser Ehrgeiz groß, wollen wir doch unsere Mannschaftsspiele gewinnen. Bisher ist uns dies auch in unseren acht Partien gelungen – dank unserer syrischen Mitspieler. Unser Verein stand dem Projekt von Anfang an sehr positiv gegenüber. So lernten unsere Gäste sehr schnell gemeinsames Training mit Frauen für sie bis dahin nicht vorstellbar nicht nur zu akzeptieren, sondern durchzuführen. Ein wertvoller Lernprozess! Ein weiterer Punkt sind unsere Gespräche nach den Spielen, wenn wir noch entspannt zusammensitzen. So lernen wir uns besser kennen, wissen um die Probleme und Sorgen. Der Tischtennis Verband Schleswig-Holstein möchte vorangehen, ein positives Beispiel geben und anderen Mut machen, auch aktiv oder noch aktiver zu werden. So sollen in allen Bezirken Informationsveranstaltungen durchgeführt, Wege der Unterstützung aufgezeigt und Erfahrungen ausgetauscht werden, denn viele Vereine machen sich momentan in unterschiedlichster Art und Weise auf den Weg: Schnuppertag, „Tag der offenen Halle“, Kennenlernangebote verschiedener Sportarten sind nur einige Ideen, die umgesetzt werden sollen. Zusammenfassend lässt sich für uns jedenfalls feststellen: Integration ist machbar, vor allem im Sport!

Hans-Jürgen Gärtner

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